Das historische Wuppertal
Was schießt Ihnen beim Namen Wuppertal als Erstes durch den Kopf? Schwebebahn? Textilindustrie? Schmerzmittel? Das größte Villenviertel Deutschlands? Ein Elefant im Fluss?
Das heutige Herz des Bergischen Landes hat eine bewegte Geschichte hinter sich, die mehrere Jahrhunderte zurückreicht. Aus dem ehemaligen Zentrum der Frühindustrialisierung ist eine Großstadt im Grünen geworden. Eine Stadt, die das Beste aus der urbanen und der ländlichen Welt verbindet. Eine Stadt, in der es sich ausgezeichnet leben lässt.
Wie und wann ist Wuppertal entstanden?
Man schreibt den 1. August 1929, die kreisfreien Städte Elberfeld und Barmen schließen sich mit den Städten Ronsdorf, Cronenberg und Vohwinkel zur ebenfalls kreisfreien Stadt Barmen-Elberfeld zusammen. Im Jahr darauf stimmen die Bürger dafür, die neu entstandene Stadt offiziell Wuppertal zu nennen. Warum gerade Wuppertal?
Namensgebend war der prägendste landschaftliche Faktor der Region: Der Fluss Wupper, in dessen Tal Barmen und Elberfeld liegen. Siedlungen auf dem heutigen Stadtgebiet wurden erstmals im 11. Jahrhundert urkundlich erwähnt. Archäologische Funde legen nahe, dass sich unsere Urahnen bereits vor Christi Geburt in der Gegend angesiedelt hatten.

Europäisches Zentrum der Textilindustrie
Seine erste Hochphase erlebte die Region dank der Textilindustrie. Belegt ist die Herstellung und das Bleichen von Textilien im Tal der Wupper seit dem Jahre 1450. Begünstigt wurde diese Entwicklung durch große Vorkommen von Eisenerz und Kohle, wald- und somit holzreich war die Gegend ohnehin immer, die benötigte Wasserkraft stellte die Wupper zur Verfügung. Mit dem technischen Fortschritt steigerte sich auch die Bedeutung der Region, die sich bis tief ins 19. Jahrhundert zu einem Zentrum der europäischen Frühindustrialisierung entwickelte und ein wichtiger Faktor für den Aufstieg des Ruhrgebietes war. Die Städte Barmen und Elberfeld waren bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts bedeutender als etwa Dortmund, Düsseldorf oder Duisburg.
Stadtquartier Brill – Das größte Villenviertel Deutschlands
Einige Wuppertaler Stadtteile verdanken ihr heutiges Aussehen eben diesen Entwicklungen. In der Hochphase der Industrialisierung siedelten sich immer mehr Betriebe entlang des Flusses an, Freiflächen wurden weniger, die Luft- und Lebensqualität sank. Wer es sich leisten konnte, zog hinaus aus dem Zentrum an den damaligen Stadtrand.
Als Großindustrielle und Fabriksbesitzer sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts dazu entschlossen, repräsentativen Lebensraum zu schaffen, legten sie unwissentlich den Grundstein dafür, was heute als das größte, zusammenhängende Villenviertel Deutschlands bekannt ist: Das Stadtquartier Brill, besser bekannt als „Briller Viertel“. Die Gegend am Osthang des Nützenberges ist eine der besten Adressen in der Stadt. Das Viertel lädt zum Flanieren ein und begeistert auch Nichtansässige durch seine herausragende Architektonik stets aufs Neue.
Das Kopfschmerzmittel aus Wuppertal
Der erste Weltkrieg setzte dem Aufstieg der Textilindustrie ein jähes Ende. Allerdings hatten sich in den vergangenen Jahrzehnten weitere Industriezweige in der Region angesiedelt, die nach und nach in eine führende Rolle schlüpften. Zunächst agierten sie aber hauptsächlich als Unterstützung der Textilwerke. Die chemische Industrie konzentrierte sich beispielsweise auf die Herstellung und die Entwicklung von Farbstoffen.
Am 1. August 1863 wurde in Barmen die Bayer AG gegründet. Diese musste aufgrund der räumlichen Begrenztheit des Tales zwar später nach Leverkusen expandieren, das Stammwerk ist aber noch heute in Betrieb. Eines der bekanntesten Schmerzmittel der Welt wurde dort entdeckt und entwickelt. 1897 synthetisierte der Chemiker Dr. Felix Hoffmann erstmals reine Acetylsäure, am 6. März 1899 wurde der Markenname „Aspirin“ beim Patentamt angemeldet.
Was macht Wuppertal so besonders?
Die richtige Mischung macht’s! Wuppertal ist nicht umsonst als die „Großstadt im Grünen“ bekannt, der Grünflächenanteil liegt bei etwa einem Drittel. Innerstädtische Naherholungsgebiete wie die Barmer Anlagen, Nützenberg/Kaiserhöhe, der Mirker Hain oder der Nordpark bieten Ruhe und Entspannung in unmittelbarer Wohnumgebung. Folglich finden sich dort auch einige der teuersten Wohnlagen der Stadt.
Kulturbegeisterte kommen in Wuppertal ebenfalls nicht zu kurz. Neben der Oper existieren zahlreiche kleinere Bühnen. Das 2013 geschlossene Schauspielhaus soll als „Pina Bausch Zentrum“ wiedereröffnet werden. Die Universitätsstadt Wuppertal liegt in unmittelbarer Nähe zu anderen (Groß)Städten wie Köln, Düsseldorf, Dortmund, Duisburg und Essen
Ein Elefant in der Wupper
Ach ja, den Elefanten im Fluss sind wir noch schuldig. Den gab es tatsächlich, sein Name war Tuffi. Im Juli 1950 gastierte ein Zirkus in der Stadt. Aus Werbezwecken wollten die Direktoren einen kleinen Elefanten mit der berühmten Wuppertaler Schwebebahn zwischen den Stationen Rathausbrücke und Adlerbrücke fahren lassen. Die ungewohnte Umgebung und die dazugehörigen Eindrücke setzten das Tier allerdings derartig unter Stress, dass es die Flucht nach vorne bzw. nach unten antrat. Tuffi durchbrach die Seitenwand des Schwebebahn-Waggons und stürzte in die Wupper, blieb dabei aber Großteils unverletzt. Heute erinnert das Bild eines Elefanten auf einer Hauswand nahe des Unfallortes an die Begebenheit.
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